o´sensei

Er war das vierte Kind und ältester Sohn einer wohlhabenden Familie.
Der Vater Ueshiba Yoroku war ein angesehener Bauer und seine Mutter Itokawa Yuki stammte aus einer adligen, land besitzenden Familie.
Mit ungefähr sieben Jahren studierte Ueshiba auf Geheiß seines Vaters konfuzianische Klassiker und buddhistische Schriften.

Sein Vater unterwies ihn in Sumo und Schwimmen.
Ueshiba absolvierte die höhere Grundschule in Tanabe und ging anschließend im Alter von siebzehn Jahren auf die Mittelschule, die er allerdings nicht lange besuchte.
Stattdessen entschloss er sich, die Handelsschule von Yoshida zu besuchen.

1902 schied er aus der lokalen Steuerbehörde aus, bei der er seinen Dienst während seines Schulbesuchs aufnahm, und ging nach Tokio, wo er als Händler ein Geschäft für Schreibwaren und Schulbedarf im Handelsviertel von Nihombashi betrieb.
Zur selben Zeit begann er mit dem Kampfstudium des traditionellem Jujutsu und Kenjutsu, das er wegen einer Beriberi-Erkrankung musste er abbrechen musste, und nach Tanabe zurückkehrte.
Dort heiratete er sehr Itokawa Hatsu.

1903 trat Ueshiba Morihei als Freiwilliger der Armee in Osaka bei und nahm wenige Jahre später am russisch-japanischen Krieg teil.
Nachdem er wegen seiner Tapferkeit und seines Muts auf dem Schlachtfeld zum Feldwebel befördert wurde, schickte man Ueshiba auf Heimaturlaub.
Diesen nutzte er, um im Nakai Masakatsu Dojo den Goto-stils des Yagyu-ryu Ju-Jutsu zu erlernen.

1907 verließ er die Armee. Er kehrte nach Tanabe zurück, wo er auf dem Hof der Familie Ueshiba arbeitete.
Zugleich engagierte Ueshiba  Yoroku den Judoka Takagi Kiyo'ichi, um Morihei in der eigens zum Dojo umgebauten Scheune unterrichten zu lassen.

1912 nahm Ueshiba Morihei an einem Programm der Regierung teil und siedelte mit weiteren Mitstreitern auf dem nördlichen Teil der Insel Hokaido um.
Ueshiba setzte sich neben seiner Betätigung als Landwirt in den kommenden Jahren für die sozialen Lebensumstände wie verbesserte  Wohnbedingungen und die Bildung einer Grundschule in der Siedlung ein. 

Während dieser Zeit lernte er den Daito-ryu Aiki-Jiu-Jutsu-Meister Takeda Sakai kennen, bei dem er nach intensivem Training sein Daito-ryo Jiujutsu-Diplom erlangte.
Ueshiba Morihei pflegte Freundschaft zu Deguchi Onisaburo, dem Mitbegründer der religiösen Omoto-kyo-sekte.
Besonders nach dem Tod seines Vaters am 2. Januar 1920 ließ er sich von Deguchi auf der Suche nach spirituellem Leben leiten.
Ueshiba zog zu Deguchi nach Ayabe, wo Deguchi ihn beim Bau eines Dojos unterstütze, das als Ursprung für die Ueshiba-Akademie dienen sollte.
Zuerst unterrichtete Ueshiba nur die Anhänger der Omoto-kyo-sekte.

Nach einiger Zeit sprach sich herum, dass ein außerordentlicher Budo-Meister in Ayabe unterrichte.
Somit schrieben sich immer mehr Leute, die nicht der Sekte angehörten, in der Akademie ein.

Ungefähr 1921 nach dem ersten Ormoto-Vorfall, bei dem Deguchi und weitere Sektenanhänger festgenommen wurden, begann Ueshiba seine Übungen mehr spirituell zu gestalten.
Er wich immer mehr vom klassischen Stil des Yagyu-ryu« und Daito-ryu« ab und entwickelte auf  der Basis bewährter Prinzipien seinen eigenen Stil.
Offiziell nannte er diesen Stil Aiki-Bujutsu.

In der Bevölkerung war er aber als Ueshiba-ryo Aiki Bujutsu bekannt.
Von dem Zeitpunkt an verfeinerte Ueshiba Morihei seine Kampfkunst bis zu seinem Tode.
Die spirituelle Entwicklung trat dabei immer mehr in den Vordergrund und wirkte sich auch auf die Techniken aus, was nicht zuletzt auf diverse einschneidende Erlebnisse zurückzuführen ist.

Im Frühling 1925 bemerkte Ueshiba nach einem Kampf während dessen er die Bewegungen des Gegners vorhersehen konnte, eine Erleuchtung erlebt zu haben. Sein Sohn Kishomaru berichtet:
“Plötzlich hatte er das Gefühl, in goldenem Licht zu baden, das sich vom Himmel über ihn ergoss und ihm wurde eine Einheit des Universums mit dem eigenen Selbst klar, und er verstand der Reihe nach die anderen Prinzipien, auf denen das Aikido basiert”.

Ende der 1920er-Jahre hielt Ueshiba Kampfkunstkurse in Tokio ab, wo er in den 1930er-Jahren das Kobukan Kobukan Dojo unterhielt.
Mit der Beteiligung Japans am Zweiten Weltkrieg zog sich Ueshiba nach Iwama zurück, wo er sich wieder dem Landbau zuwandte und ein weiteres Dojo eröffnete.
Um 1941 fand der Name Aikido erstmals Erwähnung.
Nach seinem letzten Kriegseinsatz in der Mandschurei entwickelte sich Ueshiba Morihei zu einem sehr friedfertigen Menschen. 
Eine Haltung, die auch in die Philosophie des Aikido einfloss.

1961 besuchte Ueshiba Morihei auf Einladung Hawaii und sagte, dass er nach Hawaii gekommen sei, um eine silberne Brücke zu bauen.
Er sehe die im Aikido enthaltene Harmonie und Liebe als ein Mittel, die Menschen der Welt zu vereinen.

Mit den Neujahrsfeierlichkeiten am 15. Januar 1969 endete die Lebensgeschichte eines der grössten Meister der japanischen Kampfkünste.
Im Alter von 86 Jahren schied o´ sensei Ueshiba Morihei aus dem Leben und kehrte damit zu seinem Ursprung zurück.